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Weltbekannte
Trilogie, so wird in einigen Bergbüchern das Dreigestirn aus Königssee,
St. Bartholomä und der Watzmann Ostwand beschrieben. Diese Konstellation
ist nicht nur in Deutschland sondern im gesamten Alpenraum ein Superlativ.
Die Watzmann Ostwand ist mit 1800Hm eine der höchsten Wände in
den Alpen. Durch ihre Dimensionen kann sich die „Watzmann Ost“ auch mit Wänden
der Westalpen messen.
Beim Blick vom Königssee auf die Ostwand, hat schon mancher Bergsteiger
gehörigen Respekt vor dieser Wand bekommen. Vermutlich ging es Johann
Grill - genannt der Kederbacher - ähnlich. Denn erst nach mehrjährigem
Wandstudium riskierte er 1881die Erstdurchsteigung dieser riesigen Wand.
Aus diesem Anlaß wurde sein Anstiegsweg der Kederbacher Weg genannt.
Diesen Weg haben Rahel, Andreas und ich ausgewählt um dem Watzmann aufs
Haupt zu steigen. Die Tour zur Ostwand beginnen wir mit einer Schiffahrt
nach St. Bartholomä. Auf dem Schiff werden uns wilde Storys von toten
Schiffspassagieren auf dem Grund des Königssees und noch toteren Bergsteigern
in der Ostwand erzählt. Auch kann sich der Kapitän dieses edlen
batteriebetriebenen Kahns nicht verkneifen ein paar falsche Töne mit
seiner Trompete in Richtung Echowand zu jagen. Es bleibt uns nicht erspart,
daß die Töne genauso falsch zurückschallen. Gott sei Dank
steuern wir endlich auf Bartholomä zu und wir können dort dem Touristernrummel
etwas aus dem Weg gehen. Wirkliche Ruhe von Rummel und Tourismus kehrt ein
als das letzte Schiff nach Königssee ablegt und St. Bartholomä
den Ostwandaspiranten gehört.
Es ist 4:30 Uhr morgens am 25. August, und wir verlassen die nach Moder riechende
Ostwandhütte. Stockfinster ist es hier draußen, nur mit Hilfe
unserer Stirnlampen gelangen wir durch dichten Wald und vorbei an sprudelnden
Bächen bis zur Eiskapelle. Im Morgengrauen gehen wir auf das Eisfeld
der Eiskapelle hinab, ziehen unsere Steigeisen an und queren gemütlich
ansteigend eines der letzten Eisfelder Deutschlands. Auf der anderen Seite
stellen wir fest daß die von den Naturelementen geschaffene Randkluft
schon ziemlich breit ist. Zu allem Übel ist auch keine Brücke vorhanden
die uns den Übergang zum Fels erleichtern würde. Während ich
noch überlege wie der Übergang wohl zu machen ist, hat Andreas
mit einem mutigen Sprung auf ein Felsband die Randkluft überwunden.
Also nichts wie hinterher denke ich und springe ebenfalls. Auch Rahel setzt
nach anfänglichem zögern zum Sprung an.
In unangenehm brüchigem Fels klettern wir einige Meter zur ersten Grasterrasse
empor. Dort finden wir eine Spur die sich durch knietiefes Gras windet, doch
irgendwann im anschließenden Schrofengelände geht uns die
Spur verloren. Wo sind sie hier die großen und kleinen Steinmänner
- die wie drüben auf dem Berchdesgadener Weg - so zuverlässig ihre
Arbeit verrichten? Nichts weist uns den weiteren Weg. Sind wir jetzt auf
der zweiten Grasterrasse oder noch nicht? Wo ist den überhaupt die Schlucht
in die wir einsteigen sollen? Von hier aus gesehen ist alles nicht so wie
es die Bilder im Raspführer darstellen. Nun stehen wir da wir armen
Würmer inmitten einer 2000m breiten Wand noch 1500Hm vom befreienden
Gipfel entfernt.
Nach einer viertel Stunde angespannter und intensiver Wegsuche stoßen
wir doch noch auf so etwas wie eine Begehungsspur. Hoffnungsfroh folgen wir
ihr und gelangen so zu einer Schlucht in der wir bis zu einem Geröllkessel
weiter klettern. Zwei eingeschlagene Haken werden von uns als sicheres Zeichen
gedeutet nun den richtigen Weiterweg gefunden zu haben. Aus diesem Kessel
zweigt eine weitere Schlucht ab die zur orientierungstechnischen Schlüsselstelle
des Kederbacher Weges führt. Diese Stelle muß man auf 10m genau
treffen. Also klettern wir in der Schlucht hoch, um genau bei 1250Hm
scharf nach links heraus ins Schöllhornkar abzuzweigen.
Keiner spricht ein Wort als wir nun ins Schöllhornkar einsteigen, erst
ein rauschender Bach durchbricht die Stille die in diesem Kar herrscht. Dieser
Bach entspringt dem Schöllhorneis auf das wir uns gerade zubewegen.
Bevor wir uns aufs Eis begeben füllen wir noch schnell unsere Trinkflaschen
mit eiskaltem Wasser auf und runden den Inhalt mit etwas Magnesium, Calcium
und Brausetabletten ab. Blankeis zwingt uns wiederum die Steigeisen
anzuziehen, auch der Pickel wird auf diesem zerklüfteten mäßig
steilen Eisfeld eingesetzt. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend
überspringen wir ein paar grundlos tiefe Spalten bis wir die Randkluft
am Ende des Eisfeldes erreicht haben. Diese Kluft ist gigantisch und währe
wohl nur abseilend zu überwinden wenn nicht ein abgebrochener Eisturm
eine Brücke gebildet hätte.
Fünf Minuten nach verlassen des Schöllhorneises erreichen wir die
klettertechnische Schlüsselstelle des Kederbacher Weges. Klettergenuss
kommt hier an der Schöllhornplatte keiner auf, denn mit Bollerschuhen
und extrem brüchigem Fels kämpfend überwinden wir nicht gerade
im elegantesten Stil diese Passage im vierten Schwierigkeitsgrat. Innere
Anspannung hat sich nun breit gemacht, auch die weitere Kletterei in leichterem
und überraschend festen Fels bis zum Zellerloch empor, läßt
diese Anspannung nicht verschwinden. Bis zu drei Personen können in
diesem Loch biwakieren. Wer möchte kann sich hier in ein Wandbuch eintragen,
das im hintersten Winkel der Höhle angebracht ist.
Oberhalb des Zellerlochs queren wir hinüber zum Beginn des dritten Bandes
das hier Straßenbreit die Watzmann Ostwand quert. Jä und unverhofft
wird das Band am Kaserereck auf niedliche 40cm breite reduziert. Diese ausgesetzte
Unterbrechung des dritten Bandes ist etwas für unseren Adrenalinspiegel,
denn bei einem Blick auf unsere Fußspitzen haben wir den Eindruck genau
1400Hm senkrecht über Bartholomä zu stehen. Gott sei Dank wird
das Band nach 20m wieder breiter und so kommen wir in leichterem Gelände
zügig bis zur Gipfelschlucht.
Hier in der Gipfelschlucht, wo sich Berchdesgadener Weg und Kederbacher Weg
vereinen, löst sich mit einem Schlag die ganze Anspannung auf. Von vier
Begehungen auf dem Berchdesgadener Weg ist mir jetzt des Gelände sehr
vertraut. Ohne Orientierungsproblematik sind wir recht schnell an der Biwakschachtel.
In Vorfreude auf die wunderschöne Kletterei der Ausstiegskamine halten
wir uns hier nicht lange auf, sondern steigen gleich zu den Kaminen auf.
Hier genießen wir eine Kletterstelle nach der anderen bis wir die Schlüsselstelle
des Berchdesgadener Weges erreichen. Wir überklettern diesen letzten
Aufschwung der Watzmann - Ostwand ohne Probleme und erreichen schließlich
den Gipfel.
Am Gipfel dürfen Andreas und Rahel das Glöcklein läuten das
im Gipfelkreuz eingebaut ist. Dieses Privileg ist nur den Ostwandbegehern
vorbehalten. Zu meiner Überraschung hat Andreas für diesen Moment
einen Picollo mitgeschleppt. So sitzen wir einige Zeit Picollo
schlürfend am Gipfelkreuz und freuen uns über die gelungene Tour
über den Kerderbacher Weg.
(published in: Mitteilungen der Sektion Ulm des DAV, 4/2001, pp. 35-38)
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